{"id":1483,"date":"2024-03-12T09:03:20","date_gmt":"2024-03-12T08:03:20","guid":{"rendered":"http:\/\/monumentgut.at\/?page_id=1483"},"modified":"2024-05-23T15:53:14","modified_gmt":"2024-05-23T13:53:14","slug":"ns-zwangsarbeitslager-gis-kartierung","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/monumentgut.at\/?page_id=1483","title":{"rendered":"NS-Zwangsarbeitslager | GIS-Kartierung"},"content":{"rendered":"\n<p>In \u00d6sterreich existierten w\u00e4hrend der NS-Zeit ca. 2000 Lager (KZ, AEL, KGF, ZA, DULAG etc.). Die Erforschung der Lagerlandschaft im ehemaligen Gau Tirol-Vorarlberg ist aus arch\u00e4ologischer Sicht erst im Entstehen. Um der undokumentierten Zerst\u00f6rung der Lagerstandorte zuvorzukommen, ist deren exakte Verortung notwendig.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"724\" src=\"http:\/\/monumentgut.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/U\u0308berblick-Lager-Kraftwerke-1024x724.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1203\" srcset=\"http:\/\/monumentgut.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/U\u0308berblick-Lager-Kraftwerke-1024x724.jpeg 1024w, http:\/\/monumentgut.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/U\u0308berblick-Lager-Kraftwerke-300x212.jpeg 300w, http:\/\/monumentgut.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/U\u0308berblick-Lager-Kraftwerke-768x543.jpeg 768w, http:\/\/monumentgut.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/U\u0308berblick-Lager-Kraftwerke-1536x1086.jpeg 1536w, http:\/\/monumentgut.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/U\u0308berblick-Lager-Kraftwerke-2048x1448.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kartierung der NS-Zwangslager in Tirol und Vorarlberg. Die Auswahl zeigt die Zwangsarbeitslager der gro\u00dfen Kraftwerksbaustellen der Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG, Westtiroler Kraftwerke AG (WTK) und Illwerke (VIW) w\u00e4hrend der NS-Zeit. Die roten und wei\u00dfen Punkte zeigen weitere Lagerstandorte, die noch in Arbeit sind.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Durch die parzellengenaue Lokalisierung k\u00f6nnen in weiterer Folge potenzielle arch\u00e4ologische Fundzonen definiert werden, die als Grundlage f\u00fcr geophysikalische Untersuchungen und arch\u00e4ologische Grabungen dienen und\/oder eine Unterschutzstellung der Bodendenkmale erm\u00f6glichen. Die digitalisierten und georeferenzierten Daten werden daf\u00fcr mit den modernen Geodaten aus dem Rauminformationssystem TIRIS des Landes Tirol bzw. VOGIS des Landes Vorarlberg verkn\u00fcpft.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die zeitliche und r\u00e4umliche Rekonstruktion einzelner NS-Zwangsarbeitslager im Gau Tirol-Vorarlberg wurde ein Historisches GIS (Geografisches Informationssystem) erstellt, um unterschiedliche Quellengattungen in einer Datenbank zu b\u00fcndeln, zu analysieren und planlich darzustellen. Dabei wird auf Prim\u00e4rquellen wie Pl\u00e4ne und Schriftquellen aus Archiven ebenso zur\u00fcckgegriffen, wie auf historische Luftbilder, die im Zuge von Bombardierungen bzw. Aufkl\u00e4rungsfl\u00fcgen von Alliierten Kr\u00e4ften erstellt wurden. Weitere Informationen stammen von kriegs- und nachkriegszeitlichen Fotografien, Zeitzeugen und ortskundigen Chronisten. Die Bau- und Lagepl\u00e4ne der Zwangsarbeiterlager wurden digitalisiert und georeferenziert, d.h. die Daten wurden in das GIS \u00fcber Referenzpunkte eingebettet. Alle verf\u00fcgbaren Daten zu den Baracken \u2013 wie Typ, Gr\u00f6\u00dfe, Anzahl und Funktion \u2013 wurden erfasst und \u00fcberpr\u00fcft. Bei einige Zwangsarbeiterlager ist auch die Nachnutzungsphase bis in die 1980er Jahre interessant. Bei der kritischen Untersuchung aller Informationen konnten auch Abweichungen zwischen den Planungsunterlagen in den Archiven und den realisierten Bauten festgestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kirchbichl, Tirol: \u201ePolenlager\u201c (1939\u20131942) und \u201eLager am Wehr\u201c (1942\u20131945)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen der Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung (UVP) zur Erweiterung des Innkraftwerks der TIWAG in Kirchbichl erstellte monumentGUT ab 2012 den Fachbeitrag Kulturg\u00fcter. 2013 und 2014 fanden arch\u00e4ologische Ausgrabungen beim \u201eLager am Wehr\u201c als Ausgleichsma\u00dfnahme statt.<\/p>\n\n\n\n<p>2014 folgte eine Magnetometer- und Bodenradarprospektion sowie 2016 eine arch\u00e4ologische Untersuchung im Bereich des \u201ePolenlagers\u201c. Beide Lager wurden im Rahmen des Kraftwerksbaus errichtet. Das \u201ePolenlager\u201c bestand von J\u00e4nner 1939 bis September 1942. Das nachfolgende \u201eLager am Wehr\u201c diente von Herbst 1942 bis Kriegsende als Zwangsarbeiterlager. Teilen dieses Lagers bestanden als ziviles Wohnlager bis Anfang der 1970er-Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lokalisierung der beiden Lager, Angaben zu Lagergr\u00f6\u00dfe und Barackentypen sowie weitere Informationen werden in K\u00fcrze vorgelegt:<\/p>\n\n\n\n<p>Barbara P\u00f6ll, \u201e\u2026 der Abbruch hat daher auf das sorgf\u00e4ltigste zu erfolgen \u2026\u201c Die Zwangsarbeitslager in Kirchbichl und ihre Baracken. In: Das \u201eLager am Wehr\u201c und das \u201ePolenlager\u201c beim Innkraftwerk in Kirchbichl, Tirol (arch\u00e4ologie aktuell 10, 2024).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Haiming\/Oetz, Tirol: \u201eLager Beinkorb\u201d, \u201eLager Amberg\u201c und \u201eLager Schlatt\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das NS-zeitliche Gro\u00dfprojekt in Haiming und Oetz umfasst das Wasserkraftwerk \u201e\u00d6tz Unterstufe\u201c der Westtiroler Kraftwerke AG, den Windkanal \u201eBaustelle Inn\u201c der Luftfahrtforschungsanstalt M\u00fcnchen und die geplante U-Verlagerung \u201eZitteraal\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab 2014 fanden umfangreiche Gel\u00e4ndebegehungen im Bereich der Zwangsarbeiterlager sowie der Relikte der Gro\u00dfbaustelle im Tiroler Oberland statt. Eine denkmalfachliche Prospektion und Inventarisation der ehemaligen Gro\u00dfbaustelle \u201e\u00d6tz-Unterstufe\u201c schloss 2017 an, die s\u00e4mtliche Boden- und Baudenkmale des nie vollendeten Bauprojektes im Tiroler Oberland erfasste. Im gleichen Jahr fand im Zuge der Errichtung einer neuen Produktionsst\u00e4tte der Handl Tyrol GmbH im Bereich der \u201eBaustelleneinrichtung Haiming\u201c bzw. \u201eBauhof Innerebner &amp; Mayer\u201c eine baubegleitende arch\u00e4ologische Grabung durch die Firma Ardis Arch\u00e4ologie statt.<\/p>\n\n\n\n<p>2021 folgte die Publikation der Befunde und Funde der Ausgrabung unter Heranziehung schriftlicher und bildlicher Quellen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/monumentgut.at\/?p=1146\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>zum Projekt 2021<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Barbara P\u00f6ll, KG Haiming, OG Haiming, KG \u00d6tz, OG Oetz, Mnr. 80101.17.02. In: F\u00d6 56, 2017, 455\u2013457.<\/p>\n\n\n\n<p>Barbara P\u00f6ll, Im Schatten des Amberg. Die arch\u00e4ologische Ausgrabung beim \u201eBauhof Innerebner\u201c am Handl Tyrol Areal in Haiming. In: Harald Stadler (Hrsg.), Der Bauhof Haiming 1941\u201345. Eine historisch-arch\u00e4ologische Dokumentation, Brixen 2021, 9\u201399.<\/p>\n\n\n\n<p>Barbara P\u00f6ll, Wasserkraftwerk, Windkanal und \u201eZitteraal\u201c: Geschichte und materielle Hinterlassenschaften einer NS-zeitlichen Gro\u00dfbaustelle in Haiming und Oetz, Tirol. In: Beitr\u00e4ge zur Mittelalterarch\u00e4ologie in \u00d6sterreich (BM\u00d6), Beiheft xx\/2024, im Druck.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Innsbruck, Tirol: \u201eLagerkomplex Reichenau\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen der geplanten Neugestaltung des Gedenkortes f\u00fcr die Opfer der NS-Lager in Innsbruck Reichenau wurde gemeinsam mit Barbara Hausmair (Institut f\u00fcr Arch\u00e4ologien, Universit\u00e4t Innsbruck) ein Historisches GIS erstellt. Der Lagerkomplex in der Reichenau umfasste das \u201eArbeitserziehungslager\u201c (AEL) der Gestapo sowie die Lager der Stadt Innsbruck, der Reichsbahn und der Reichspost.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/monumentgut.at\/?p=1150\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>zum Projekt 2022<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schwaz, Tirol: \u201eBauarbeiterlager\u201c (1944\u00ad<strong>\u2013<\/strong>1945) bzw. Entnazifizierungslager \u201eOradour\u201c (1945\u20131948), \u201eKriegsgefangenenlager\u201c (1945) und \u201eMassivbarackenlager\u201c (1944\u20131945).<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1944 wurden in der Stadt Schwaz in Zusammenhang mit der Untertage-Verlagerung der Messerschmittwerke in die Stollen und Kavernen des Bergwerkes drei Zwangsarbeiterlager errichtet. Au\u00dferdem bestand ein \u201eRussenlager\u201c beim Bahnhof Schwaz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"http:\/\/monumentgut.at\/?p=1196\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">zum Projekt 2023<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Barbara P\u00f6ll, Die zeitliche und r\u00e4umliche Entwicklung der Lager in Schwaz, 2023.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Derzeit sind die f\u00fcnf Lager beim Gerloskraftwerk der TIWAG und die zahlreichen Lager beim Rodundwerk und Obervermuntwerk der Illwerke in Vorarlberg in Arbeit.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In \u00d6sterreich existierten w\u00e4hrend der NS-Zeit ca. 2000 Lager (KZ, AEL, KGF, ZA, DULAG etc.). Die Erforschung der Lagerlandschaft im ehemaligen Gau Tirol-Vorarlberg ist aus arch\u00e4ologischer Sicht erst im Entstehen. Um der undokumentierten Zerst\u00f6rung der Lagerstandorte zuvorzukommen, ist deren exakte Verortung notwendig. 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